
So das Wochenende in Vegas ist überstanden. Und ich bedaure ernsthaft, schon wieder zurück zu sein. Es war unbeschreiblich, ein Traum. Man begibt sich in diese Stadt und wähnt sich im Wunderland. Die perfekt geglückte Illusion. Nie war der Amerikanische Traum, das Vollendete Glück näher. Sofort will man eintauchen. Es ist wie eine Droge, der Rauschzustand lässt auch in den auf 18 Grad herunter gekühlten Casinos nicht nach. Erst hier wird durch das Lichtgeflimmer, die bunten Teppiche und das hohe glücksverheissende Fiepen der Automaten, das Bewusstsein richtig getrübt. Epileptiker haben nach dem Betreten der Stadt wohl noch 5 Sekunden.
Man lässt sich von der Welle tragen, staunt, wundert, stört, entzückt sich an allem was man zu sehen und hören kriegt. Alte Menschen mit Sauerstoffflasche vor dem Einarmigen Banditen sich kaum mehr auf den Stühlen haltend und ohnmächtig auf den Automaten starrend sind keine Seltenheit. Viele Hausfrauen, die scheinbar gerade in Gruppen auftauchen und das Wochenende fern von Kindern, Ehemännern und dem anscheinend dunkel grauen Alltag in einer der unzähligen Kneipen durchzechen.
Meine Blicke streifen durch das Casino. Viel Prunk, überall Gold. Man darf hier auch in den Gebäuden rauchen. Eine überirdische Erlaubnis im Vergleich zu den anderen fröhlich freien Bundesstaaten. Eigentlich ist dies auch des Pudels Kern:
In Nevada scheint alles erlaubt zu sein. Prostitution hat noch nicht amsterdamsche oder pragsche Formen erreicht. Es ist diskreter, und man bezahlt für simple Lapdances noch soviel wie das ganze Programm an der Langstrasse der Heimat.
Trinken in der Öffentlichkeit ist gebilligt, und die Polizeipräsenz überraschend und für mich trotzdem beruhigend, tief. Ich fühlte mich stets sicher.
Weiter durch das Casino ziehend, wende ich mich von den überwiegenden Automaten ab. Der unsichtbaren Macht, welche die Spieler an Ihre Apparate fesselt, glaubte ich mich nicht gewachsen, so liess ich mich erst nicht darauf ein. Viel interessanter fand ich das herkömmliche Roulette. Fortuna liess mich nicht im Stich und verhalf mir zu unverhofftem Reichtum.
Wenn man das Casino verlässt, schlägt einem die Hitze hart ins Gesicht. Auf einen Schlag ist es wieder 45 Grad warm. Allmählich gewöhnt man sich an die Wüstenhitze. Das Death Valley ist nicht weit. Die Skyline und die Hotels sind atemberaubend. Vom gekühlten Auto aus betrachtet ist es angenehmer. Zu Fuss ist man auf Getränke angewiesen.
Der Bierpreis ging runter bis auf 2$ für ein Pint. Wer meinen Lieblingsfilm "Fear and Laughing in Las Vegas" kennt, weiss, dass Las Vegas betrunkene liebt. Zum allgemeinen Lichterrausch kommt noch ein weiterer hinzu.
Irgendwann ist man dem ganzen einfach nicht mehr gewachsen. Zu viele Eindrücke prasseln in Gewehrsalven 24 Stunden lang auf einen nieder. Ich wurde von zwei schwarzen Kleiderschränken aus New Jersey geweckt, freundlich. Das Hotel war eigentlich nicht mehr weit und anstelle auf der Strasse zu Schlafen, war das bezahlte Zimmer mehr wert. Mehr nicht. Auf alle Fälle in diesem Augenblick nicht.
Bilder:
Ben's Fears n' Laughings in Las Vegas